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The Sun

  • privat8773
  • 18. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Des Winters Kälte verlässt uns, zieht ein in seine Sommerhöhle, der Frühling tritt an zu seinem Regiment. In großen Schritten stülpt er sein buntes Gewand über die Zeit. Die Natur freut sich und preist ihn mit all ihrer Pracht. Alles wacht auf und möchte umarmt werden.Vereinzelt offene Gesichter, ein scheinbar beiläufiges Lächeln, doch ist es mehr, erweckt zum Leben, strahlt es in den offenen Raum. Es riecht nach Leben und die Tiere wachsen von Neuem in das Jetzt hinein. Vogelgezwitscher besingt die aufgehende Sonne und preist jeden neuen Tag. Jetzt heißt es, die natürliche Wärme in sich aufzunehmen, um dem nächsten Regen, der nach jeder Sonne folgt, gestärkt zu begegnen.

Von Nah und Fern lädt ein zum Leben, der frische Frühlingstag. Über den Winter, in der Nische, damals nur eine Erinnerung, stand es als Ikone in den warmen Zimmern. Abende voller Sehnsucht, der dunkle Raum erwärmt vom Feuer des letzten Frühlings, wacht alle Freude wieder auf, der Kram versiegt und nimmt die kalte Jahreszeit gleich mit. Das Leben schenkt sich einem, kaum zu glauben, doch ist es wahr, die Zeit der Einsamkeit ist endlich vorüber.

Die Kleiderschränke schnell gewechselt, der Wintermantel hängt jetzt im Schrank und bleibt das Jahr über versteckt, bis der Herbst den Sommer mit seinen Winden verjagt und der erste Schnee die Kälte ankündigt.

Nun aber mit schnellen Schritten ins neue Leben, vergesse die Socken nicht, es ist der Frühling, nicht der Sommer, der kommt bald, doch braucht er noch die volle Sonne. Am Fluss und in den Cafés versammeln sich die ersten Sonnenanbeter. Von weit hört man den Kirchturm läuten, die Christen trauern um den Gottessohn. Drehe mich weg, die Glocken läuten weiter, du bist bei dir, hier fühlst du dich zuhause.

Schnell einen Platz in den vordersten Reihen ergattern, schaue ich dem bunten Menschentreiben zu, wie sie die erste Jahreszeit begatten, sie preisen, ihre Liebe kundtun. Bis in die Abendstunden verweilen sie, um morgen wieder, den Alltag, mit vollgetanktem Leib und Seele, sich freudig zu ergeben. Jeder Körpersinn sucht nach dem Morgen, vergißt kein Blatt, das unbeschrieben, dem leeren Gestern, dem Winter, Zeugnis sein könnte.

Da, schon wieder eines dieser schlafenden Wintergesichter, wacht auf, als ich es schaue, entspannt blickt es mich an, denn plötzlich ist der Kram abgewaschen von der Seele, und beginnt, den schönen Tag zu sehen.

Ein leichter Frühlingswind treibt alle Wintersorgen aus dem Verstand, befreit, atme ich die Frische dieses Tages, in mich hinein. Jegliche Stagnation, enthemmt des Stigmas des vergangenen Winters, laufe ich zum nächstgelegenen Wasser und tauche meine Füße ein. Das kalte Nass erweckt den Körper, die warme Luft ist mir Kontrast, im Zusammenspiel tragen sie mich in einen wundervollen Traum vom Frieden. Für einen kurzen Moment imaginiere ich die Ära, von einer schönen neuen Welt, entwaffnet, lieblich, menschlich, entleert von all der Geschichte, den Kriegen, in uns selbst und weit entfernt, regt sich die Hoffnung auf baldiges Verständnis, nicht wir sind Feind, nur die Urzeiten.

Ein Vogel springt von einem Baum zum nächsten und sucht nach einem Platz für’s Nest, den Stade, die Sicherheiten für die nächste Geburt. Das ist das Leben, denk ich, unsere Natur, weshalb wir existieren und uns reduzieren, damit es für die kommende Ära noch anhält.

Mit ihrem Licht, nicht der Schatten, sie den Pfad erhält, der vor uns liegt und sicher kommt. Stehe auf von meinem Zuschauerplatz, hinein ins Getümmel, das Frühjahr kommt, jetzt heißt es leben.


 
 
 

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